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Allgemein Hintergundwissen

Wie viel Zukunft steckt in meiner Tasse Kaffee?

Kaffee. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht an dem schwarzen Gold nippen. Und mal ehrlich, wer kann sich seinen Morgen noch ohne vorstellen? Im Durchschnitt trinkt jede*r Deutsche jeden Tag sogar drei Tassen davon, was sich auf sagenhafte 150 Liter Kaffee pro Jahr beläuft und damit noch vor unseren anderen Nationalgetränken – Bier und Mineralwasser – liegt. Und einer Umfrage zufolge verbinden Menschen in Europa Kaffee mit positiven Gefühlen wie Freude, Wärme, und Energie. Aber wer von uns weiss eigentlich, wo genau der tägliche Kaffee herkommt – und vor allem, ob dafür ein wirklich gerechter Preis gezahlt wurde?

Kaffee um jeden Preis?

Um es auf den Punkt zu bringen: für einen großen Anteil Kaffee wird immer noch viel zu wenig bezahlt. 2018 kostete ein Kilo Kaffee im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ca. 8,10€. Bei Aldi gibt es das Kilo sogar schon ab 5.98€. Bei diesen Preisen bleibt nicht viel übrig für die Produzent*innen in den Ursprungsländern – und besonders klimafreundlich kann bei den Preisen auch nicht produziert werden. Das wären übrigens ca. 7-8 Cent für eine Tasse Selbstgebrühten, wie wir ihn Zuhause oder bei der Arbeit trinken. Auf dem Weltmarkt sind Kaffeebauern starken Preisschwankungen und Spekulation ausgesetzt, und kriegen oft nur ein Restgeld für ihr Produkt.

Auch bei zertifizierten Kaffees, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind, ist nicht zwangsläufig drin was draufsteht. Diese Kaffees werden von einer oder mehreren Organisationen (Fair Trade, Rainforest Alliance, EU-BIO etc.) mit einem Siegel versehen, das bezeugt, dass sich die Produzenten an gewisse Vorgaben bei der Produktion gehalten haben, und dementsprechend mehr für ihren Kaffee bekommen. Es bestehen hier zwar gewisse Mindeststandards, was Umwelt und Menschen betrifft, die eingehalten werden sollen. Jedoch sind diese meistens nicht ausreichend, und landet der Aufpreis oft nicht in den Händen der Produzenten.

Hier sind lange und intransparente Lieferketten eines der Hauptprobleme. Oft weiß man nicht genau, wo der Kaffee herkommt, welcher Produktionseinsatz vor Ort stattfindet, und wie die verschiedenen Organisationen, von der Kleinbauern-Kooperative bis zum Einzelhandel, das Geld unter sich verteilen. Ein weiteres Problem ist dass die Bauern meistens nicht ihren ganzen teuer angebauten Kaffee auch als solchen verkaufen können, sondern ihn quasi verscherbeln müssen. Auch hier müssen Farmer*innen und Arbeiter*innen immer noch schauen, dass genug für Leben, Bildung und Investitionen übrigbleibt. Und nur weil bestimmte Umweltstandards erforderlich sind, heißt das noch lange nicht, dass jeder “grüne” Kaffee gleich Klimaretter ist.

Der wahre Preis deiner Tasse

Was kostet eigentlich eine Tasse Kaffee? Diese Frage stellten wir uns.

Um zu wissen, wie viel Kaffee wirklich kostet, hat die NGO Solidaridad eine Studie mit der “True Price” Methodologie erstellt. Diese misst anhand verschiedener Kriterien, wie viele externe Kosten durch die Produktion und den Handel des Kaffees entstehen. Externe Kosten sind Kosten, die jetzt oder in Zukunft durch die Herstellung eines Gutes entstehen und die sich nicht im Marktpreis widerspiegeln, zum Beispiel durch Wasserverschmutzung oder unfaire Löhne. Im Klartext heisst das: Schäden, die andere Menschen und die Natur schultern müssen, damit der Preis einer Tasse Kaffee für Grosshändler und Verbraucher “stimmt.”

In der Kolumbianischen Kaffee-Anbauregion Cauca wurde konventionell produzierter Kaffee (Benchmark) mit Climate-Smart Kaffee (CSA) verglichen. In der konventionellen Kaffeeproduktion wird auf maximale Erträge durch grossflächigen Anbau, Einsatz von chemischem Dünger und Pestiziden, und Ausbeutung von Arbeitern gesetzt. Climate-Smart Agriculture hingegen ziehlt darauf ab, die Produktion nachhaltiger zu gestalten, z.B. durch organische Pflanzenschutzmittel, Anbau von schützenden Bäumen und die Auswahl von widerstandsfähigeren Kaffeesorten. Ähnliche, jedoch nicht identische Anbaumethoden finden wir auch bei anderen Standards.

Bei der Studie kam heraus, dass der CSA-Kaffee um 20% weniger soziale und ökologische externe Kosten verursachte. Die externen Kosten lagen bei $3.15/kg für Benchmark und $2.50/kg für CSA Kaffee. Wenn man diese mitrechnet, müsste der Einkaufspreis bei $5.40/kg für Benchmark und $4.95/kg für CSA liegen.

Hier werden zwei Dinge deutlich: Erstens, dass unzertifizierter Kaffee eigentlich viel teurer ist, als er beim Kunden ankommt. Was umgekehrt ja heißt, dass eine gesunde Umwelt und faire Lebensbedingungen billig verscherbelt werden. Das ist besonders bitter, wenn man weiß, dass diese Art des Kaffeeanbaus durch Klimawandel und Umweltzerstörung dazu beiträgt, dass sich in Zukunft immer weniger Gebiete für den Anbau eignen werden. Dies wird zur Folge haben, dass Kaffee über kurz oder lang teurer wird, sofern diese Kosten dann nicht noch extremer abgeladen werden.

Zweitens wird klar, dass der CSA-Kaffee in diesem Beispiel zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber dennoch weiterhin externe Kosten verursacht. Doch, was tun?

„The True Price of Climate Smart Coffee“. Solidaridad, 2019.

Den Kaffee kompensieren – wie viel soll das kosten?

Jedoch gibt es mittlerweile Röstereien, die die negativen Auswirkungen ihres Kaffees nicht nur verringern, sonder verschwinden lassen wollen. So zum Beispiel Truesday, die erste Deutsche Rösterei, die den True Price für ihren Kaffee aus Cauca miteinbezieht. Auf den Rohkaffeepreis wird hier nochmal 4,86€ als Kompensation draufgezahlt, wodurch ein Gesamtpreis von 8,99€ zurück in die Region fließt. Umgerechnet bedeutet das, dass die 7 Cent für die Tasse Durchschnittskaffee noch nicht einmal die Kosten im Ursprungsland decken. Bei Truesday kommt man auf 26 Cent pro Tasse, und die weiteren Kosten, die hiereingehen, werden auch transparent auf der Website dargestellt.

Drei Bilder mit Text. Eine Waage, Bäume und eine Hand, die eine Münze nimmt. Darstellung der ökologischen und sozialen Kosten pro Kilo "Cauca Excelso"
https://truesday.coffee

Ähnliche Ziele verfolgt auch TEIKEI Coffee, die mit viel Liebe und Aufwand ihren Kaffee per Segelschiff transportieren, um dadurch den ökologischen Fußabdruck ihres Kaffees stark zu verringern. So überquerten letztes Jahr 30 Tonnen grüner Kaffee auf diese Weise den Atlantik. Vorort stellt TEIKEI seinen Bauern und Bäuerinnen in Mexiko die zentrale Frage: „Was braucht ihr, damit ihr und auch eure Kinder weiterhin Interesse am Kaffeeanbau haben?“. Die Antwort auf diese Frage spiegelt sich auch bei TEIKEI in einem Tassenpreis von 26 Cent wieder.

Natürlich sind dies nur Beispiele, wie Ansätze eines fairen Kaffeehandels aussehen müssten. Wir wünschen uns natürlich, dass dies das neue Normal wird, auch bei vielen anderen Produkten, damit wir die planetaren Grenzen einhalten können. Solange aber fast ausschließlich riesige Konzerne am längeren Hebel der Handelskette sitzen, die auf Spekulation und Preisdrückung durch unfairen Wettbewerb setzen, ist es aber noch ein langer Weg dorthin. Wir beim WirMarkt möchten uns dafür einsetzen, das es eine weitere Möglichkeit gibt, den Wandel zu fördern. Dies wollen wir durch einen transparenten und demokratischen Supermarkt erreichen, bei dem ihr als Mitglieder mitbestimmt, was in die Tüte kommt – und was gar nicht. Also macht mit und schließt euch uns an, wir freuen uns auf euch!

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Der WirMarkt kommt zu euch!

Wir erhalten gerade viel Zuspruch aus verschiedenen Stadtteilen Hamburgs – Altona, St. Pauli, Eppendorf, Hamm, Eimsbüttel, Hoheluft, Sasel, Volksdorf!

Wo eröffnet der erste WirMarkt?

Und natürlich erreicht uns auch oft die Frage: in welchem Stadtteil werdet ihr eröffnen?

Wir machen gerade jede Menge Scouting-Touren auf dem Fahrrad durch verschiedene Viertel und schauen, wo freie Flächen sind. Wir haben Objekte in Altona, Eimsbüttel und Barmbek in der engeren Auswahl, vermutlich kommen in den anderen Vierteln auch noch welche hinzu.

WirMarkt liefert

Der erste WirMarkt kann natürlich nur in einer Location eröffnen. Aber: wir planen, auch Auslieferungen anzubieten.

Falls ihr also zögert mitzumachen, weil ihr euch nicht sicher seid, ob ihr beim ersten WirMarkt in der Nähe wohnen werdet:

  • ihr könnt auch von einem anderen Stadtteil aus Mitglied der Community werden, Workshops besuchen oder anbieten und mit anpacken
  • wir werden schrittweise auch Lieferungen in andere Stadtteile anbieten
  • wir wollen auch weitere WirMärkte eröffnen

Eure Unterstützung hilft uns bereits jetzt, die erste wichtige Hürde zu nehmen: die Eröffnung des ersten Markts.

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Location-Suche und Kennenlernen-Tour auf zwei Rädern #2

Zur Anmeldung schreibe eine kurze Mail an tour@wirmarkt.org.

Hallo liebe WirMarktler:innen,

am vergangenen Sonntag haben wir die erste Erkundungs- und Kennlerntour durchgeführt. Glücklicherweise hatten wir strahlenden Sonnenschein, sodass wir neben dem Absuchen der Bereiche Altona und Sternschanze auch noch eine gemütliche Pause mit einem leckeren Eis am Fischmarkt einlegen konnten.

Allerdings ist die Stadt groß und es gibt noch einige Unbekannte in unserem WirMarkt-Team. Deshalb möchten wir euch direkt zur nächsten Tour einladen, die uns diesmal durch die Straßen der Stadtteile Eimsbüttel, Eppendorf und Barmbek führen wird.

Ralf, Peter, Barbara und Fabian bei der Eispause bei der letzten Tour!

Termin: Sonntag, 06. Mai

Beginn: 14:00 Uhr

Dauer: geschätzt 3-4 Stunden (Inklusive Kaffee/Tee-Pause)

Treffpunkt: U-Bahn Osterstraße – auf dem Platz

Equipment: Fahrrad und Maske

Corona-Regeln: Nach aktuellem Stand sind Sportveranstaltungen im Freien mit bis zu 10 Personen zugelassen, daran wollen wir uns natürlich halten.

Ohne negativen Test wird niemand von der Tour ausgeschlossen, damit wir uns aber alle wohlfühlen können, wäre es nett, wenn jeder im Vorfeld einen Schnelltest durchführen würde.

Ein Testzentrum in eurer Nähe findet ihr hier:

https://schnelltest-hamburg.de
https://schnelltest-hamburg.de

Anmeldung: Zur Anmeldung schickt ihr bitte eine Mail an tour@wirmarkt.org

Vorgeschlagene Route:

Unbekannt – die oder derjenige mit der besten Ortskenntnis übernimmt die Führung.

Wir freuen uns über ein paar Zusagen und hoffen, dass diejenigen, die bereits letztes Mal dabei sein wollten, es dieses Mal einrichten können.

Ralf

Zur Anmeldung schreibe eine kurze Mail an tour@wirmarkt.org.

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Location-Suche und Kennenlernen-Tour auf zwei Rädern

Zur Anmeldung schreibe eine kurze Mail an tour@wirmarkt.org.

Hallo liebe WirMarktler:innen,

in der vergangenen Woche entstand die Idee, dass man die Location-Suche super mit einer kleinen Kennenlernen-Fahrradtour verknüpfen könne. Da ich selber erst seit einigen Tagen dabei bin würde ich mich sehr darüber freuen, wenn sich für den kommenden Sonntag, den 30.05., eine Handvoll Mitstreiter:innen zusammenfinden würden, um die Gegend gemeinsam nach freien Ladenflächen abzusuchen.

Termin: 30. Mai

Beginn: 14:00 Uhr

Dauer: geschätzt 3-4 Stunden (Inklusive Kaffee/Tee-Pause)

Treffpunkt: Vor dem Burger King am Bahnhof Altona (Roter Stern auf der Karte)

Vorgeschlagene Route:

Wir beginnen im Bereich Altona und klappern die gelb hinterlegten Straßen ab und suchen nach leerstehenden Ladenflächen, die sich für den WirMarkt eignen.

Wenn wir mit dem Bereich Altona fertig sind, können wir uns in Richtung Sternschanze begeben und eine gemütliche Kaffee/Tee-Pause in einer der zahlreichen Grünanlagen machen.

Ich freue mich jetzt schon auf die Tour und hoffe auf ein paar Zusagen 😊

Ralf

Zur Anmeldung schreibe eine kurze Mail an tour@wirmarkt.org.

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Gewinnmaximierung und soziale Gerechtigkeit

In unserem Wirtschaftssystem gilt immer noch die Maxime: Wirtschaftswachstum löst alle sozialen Probleme. Irgendwann ist der Kuchen so groß, dass für alle genug vorhanden ist, selbst wenn er sehr ungleich verteilt ist. Das bedeutet für die Unternehmen: sie sind angehalten, zu wachsen. Dementsprechend sind auch unser Finanz- und Sozialsystem sowie unser Konsumverhalten auf Wachstum ausgerichtet.

Wer stets mehr Gewinne erwirtschaften will, hat dafür zwei Möglichkeiten: den Umsatz steigern oder die Kosten senken. Denn Gewinn = Umsatz – Kosten.

Inzwischen ist dieses Prinzip soweit ausgereizt, dass mit Kostensenkung und Umsatzsteigerung erhebliche ökologische und soziale Kosten einhergehen.

Zum Beispiel: die Klimakrise oder die Arbeitsbedingungen in der Fleischverarbeitung.

Was läuft hier schief und wie könnte eine Lösung aussehen? Dieser Frage wollen wir im Folgenden nachgehen.

Funktionsweise der Gewinnsteigerung

Umsatzsteigerung

Wie steigere ich als Unternehmen den Umsatz? Indem ich mehr verkaufe. Sobald mein Produkt weltweit verfügbar ist und ich durch Werbung alle potenziellen Konsument:innen erreicht und begeistert habe, muss ich neue Strategien suchen:

  • weitere oder verbesserte Produkte verkaufen,
  • durch Story-Telling einen emotionalen Zusatznutzen verkaufen,
  • Kund:innen von anderen Unternehmen abwerben.

Kostensenkung

Wie senke ich als Unternehmen die Kosten? Indem ich die Produktionseffizienz durch Automatisierung und Digitalisierung steigere. Wenn die Technik und die Arbeitsabläufe hinreichend optimiert sind, benötige ich auch hier neue Strategien:

  • Druck auf die Lieferant:innen erhöhen, ihre Produkte preisgünstig abzugeben,
  • Produktqualität oder ökologische und soziale Standards bei der Produktion reduzieren.

Auswirkungen der Gewinnsteigerung

Gewinnsteigerung ist bis zu einem gewissen Grad gut, weil Effizienz gesteigert wird und ein Produkt möglichst vielen Menschen zur Verfügung gestellt wird. Das Prinzip führt aber zu Ressourcenverschwendung, wenn zufriedene Kund:innen abgeworben oder mit vergleichbaren oder sogar minderwertigen Produkten beworben werden. Und das Prinzip führt zu ökologischen und sozialen Schäden, wenn Lieferant:innen trotz hoher Effizienz noch günstiger produzieren müssen und sich gezwungen sehen, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern und die Natur auszubeuten.

Sollte der Lebensmittelhandel seine Gewinne weiter steigern?

Die größten 4 Handelsketten für Lebensmittel haben längst einen Marktanteil von zirka 85%. Sie gewinnen in Deutschland nur noch Kund:innen hinzu, indem sie ihren Wettbewerbern die Kund:innen abwerben. Meistens durch Werbung mit niedrigen Preisen. Diese gegenseitige Preisunterbietung lässt sich nur aufrechterhalten, wenn die Kosten immer weiter gesenkt werden. Denn die Prozesse sind extrem optimiert und es wird immer mehr digitalisiert. Auch entlang der Wertschöpfungskette der Landwirtschaft ist schon seit den 1960er Jahren die Arbeitseffizienz enorm erhöht.

Jede weitere Gewinnsteigerung ist vor allem Kostensenkung und die wird von denjenigen in der Lieferkette getragen, die am wenigsten Verhandlungsmacht haben: den Erzeuger:innen, den Arbeitskräften von Acker bis Supermarkt, den Tieren und der Natur.

Damit niedrige Preise im Einzelhandel möglich sind, arbeiten andere zu Preisen, die deutlich unter den tatsächlichen Kosten liegen.

Eine Wirtschaft im Gleichgewicht

Eine Wirtschaftsweise die auf fortwährender Gewinnmaximierung beruht strauchelt irgendwann über die ökologischen und sozialen Krisen, die sie hervorbringt.

Darum braucht es ein Gegengewicht, was die Übertreibung der Gewinnmaximierung wieder ins Gleichgewicht bringt, sodass die Wirtschaft wieder dem Gemeinwohl dient. Auf der politischen Ebene können neue Spielregeln für die Marktwirtschaft dieses Gleichgewicht herstellen – dies geschieht bereits langsam durch CO2-Bepreisung und Lieferkettengesetze. Auf der unternehmerischen Ebene kann eine wahrhaftige Werteorientierung eine große Veränderung bringen, wie es Unternehmen aus dem Social Entrepreneurship-Bereich zeigen.

Unternehmerische Umsetzung am Beispiel WirMarkt

Wir möchten mit dem WirMarkt ein Beispiel für ein Wirtschaften im Gleichgewicht zwischen Gewinn- und Werteorientierung schaffen. Wir optimieren Prozesse und fördern Effizienz, solange dies soziale Gerechtigkeit fördert und im Einklang mit der Natur stattfindet.

  • Wir schaffen soziale und ökologische Werte, indem wir unsere Lieferant:innen fragen, welche Preise sie benötigen, um würdevoll ihre Arbeit zu machen (bis zu den Menschen auf dem Acker).
  • Wir initiieren gemeinsam Projekte, die beispielsweise Biodiversität steigern und CO2 binden.
  • Wir reduzieren Aufwand für Marketing, Verpackung, Lagerung, Transportkosten, indem wir die Lieferkette kurz halten.
  • Wir laden zu einer Ressourcen-schonenden Ernährung ein.

Exkurs: Finanzierung

Bei der Finanzierung wird es schon etwas kniffliger, weil die meisten Förder- und Finanzierungsmodelle auf Wachstum ausgelegt sind. Dies funktioniert meistens so: ein Unternehmen entwickelt eine technologisch innovative Idee und ein Konzept, wie es damit Marktführer wird. Das Unternehmen gibt einen Teil seiner Gewinnansprüche an Investor:innen ab, welche dafür Geld in das Unternehmen geben. Die Investor:innen haben ein Mitspracherecht bei Geschäftsentscheidungen. Der einzige Unterschied, den die Investor:innen auch selbst spüren ist ein Unterschied in der Gewinnausschüttung. Daher nutzen sie ihr Mitspracherecht dazu, die Gewinnausschüttung zu maximieren.

Wir brauchen also Förder- und Finanzierungsinstrumente, die:

  • die soziale und ökologische Wirkung von Geschäftsmodellen honoriert, gerade wenn das Unternehmen nicht an endlosem Wachstum orientiert ist,
  • das Mitspracherecht der Investor:innen bei die Gewinnausschüttung betreffenden Entscheidungen beschränkt
  • die Investor:innen nach einer angemessenen Kompensation und Rückzahlung ihres Investments auch wieder aus dem Unternehmen verabschiedet

Das ist nicht trivial umzusetzen, wir betreiben hierzu mit verschiedenen Akteur:innen Lobbyarbeit, um die Förderinstrumente auf sozial-orientiertes Unternehmertum anzupassen und entwickeln für uns passende Investitionsmechanismen.

Neugierig geworden?

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Unsere Crowdfunding-Kampagne ist live!

Gestern Abend ist unsere Crowdfunding-Kampagne gestartet. Ein paar Stunden früher als geplant, aber sie ist gestartet. Nach vier kurzweiligen, kreativen aber auch anstrengenden Wochen haben wir nicht nur eine tolle Crowdfunding-Kampagne gestartet, sondern auch unser Konzept deutlich geschärft (und hoffentlich gelernt, es gut zu erklären).

In gut sechs Monaten möchten wir den ersten transparenten und demokratischen Supermarkt Hamburgs eröffnen. Dafür möchten wir 100 Menschen begeistern, Mitglied beim WirMarkt zu werden.

In einem guten halben Jahr wollen wir gemeinsam mit dir und vielen weiteren Mitgliedern vom WirMarkt den ersten transparenten und demokratischen Supermarkt Hamburgs eröffnen!   Dabei kannst du uns jetzt durch deine Teilnahme an unserer Crowdfunding-Kampagne unterstützen.

Du hast die Wahl:

  Am besten du machst gleich alles.

TL;DR

Du kannst unser Projekt in unserer Crowdfunding-Kampagne auf StartNext unterstützen.

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Was für eine Rechtsform kriegt der WirMarkt?

Als wir uns die bestehenden Mitgliederläden angeschaut haben, sind wir über eine Vielzahl von Rechtsformen gestoßen: die OHG, die Genossenschaft, den Verein, die GmbH in Verantwortungseigentum und vieles mehr.

Für den ersten WirMarkt in Hamburg möchten wir eine Rechtsform wählen, die zum einen Mitbestimmung zulässt (also demokratisch ist) und zum anderen auch ein Wirtschaften zulässt (den Erwerb und Verkauf von Lebensmitteln).

In die engere Auswahl haben wir daher die Genossenschaft genommen und die GmbH in Verantwortungseigentum. Die Unternehmer:innen im Bereich vom sozialen Unternehmertum sind recht zugänglich und wir haben schnell zu zwei kompetenten Unternehmen den Kontakt erhalten, die uns weitergeholfen haben. Das eine Unternehmen ist eine große Genossenschaft, die schon einige Genossenschaften beraten haben und das andere ein Magazin, die in Verantwortungseigentum verfasst sind.

Ist das Thema wirklich so trocken?

Die Rechtsform entscheidet langfristig maßgeblich darüber, wer welches Mitspracherecht bei Entscheidungen hat. Und das ist uns unglaublich wichtig. Denn wenn alles für alle gut läuft, ist die Rechtsform egal. Früher oder später gibt’s aber immer Konflikte, das ist menschlich. Und dann ist es wichtig, dass alle eine Stimme haben.

Beide haben uns empfohlen: gründet erstmal eine Unternehmergesellschaft (UG, eine Art Mini-GmbH) und schaut, dass ihr die demokratischen Prozesse sauber aufsetzt. Dann entscheidet euch, ob ihr es in eine Genossenschaft oder Verantwortungseigentum überführt.

Und warum nicht direkt gemeinnützig? Das ist nicht so leicht. Vermutlich wird es für uns auf ein hybrides Konstrukt hinauslaufen. Dass wir also einen gemeinnützigen Verein gründen für die Verbreitung unseres Konzepts oder dass wir uns einem bestehenden Verein anschließen (es gibt schon sehr viele Vereine). Ein Supermarkt als solches hat leider kaum Chance, als gemeinnützig anerkannt zu werden. Das hat eine befreundete Initiative aus München bereits versucht und sind damit beim Finanzamt gescheitert.

Unser Weg ist also:

  1. UG / GmbH gründen
  2. Verantwortungseigentum oder Genossenschaft daraus machen
Die richtige Wahl der Rechtsform braucht einiges an Konzeption.

Dein Feedback zählt

Hast du Ideen / Erfahrung hierzu? Teile sie mit uns.

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Werkstatt

Einladung zum Rollen- und Roadmap-Workshop

Inzwischen gibt es so viele Themen beim WirMarkt, dass wir uns klar strukturieren möchten und jeder und jedem Klarheit geben möchten, wo er/sie sich einbringen kann. Dazu werden wir in mehreren kurzen Sessions mit den WirMarkt-Mitgliedern die Roadmap durchgehen und Feedback einarbeiten (zirka 20 Minuten) und im Anschluss dann dazu einladen, bei einer oder mehreren Rollen mitzuarbeiten oder sie sogar zu vertreten. Du kannst dabei auch eigene Rollenideen mitbringen. Du findest den aktuellen Stand hier auf unserem Board (Passwort erforderlich).

Bei Fragen schreibe einfach an fabian@wirmarkt.org.

Beispiel für eine Rolle.

Update 2021-05-17

Umfragen rausgenommen und Text aktualisiert.

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Roadmap und Struktur – Grundlage für den Workshop

Roadmap-Entwurf
Struktur-Entwurf
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Tools

Tool: Story Clinic

Diese Übung hilft, dass du deine Ideen so erzählst, dass deine Adressat:innen sie behalten und weitererzählen.

  1. Schreibe deine Geschichte kurz und knapp auf.
  2. Nutze die Checkliste, und setze bei jedem Kriterium in Spalte „Version 1“ ein Haken, bei dem deine Geschichte dich selbst überzeugt. Du kannst auch jemand anders um ihre:seine Meinung bitten.
  3. Entwickle eine neue Version von dem was du erzählen möchtest, bei dem du vor allem die fehlenden Aspekte der Version 1 ausbesserst.
  4. Gehe erneut die Checkliste durch für „Version 2“. Ggf. gibt es das eine oder andere Kriterium, dass nicht mehr erfüllt ist, aber du erreichst bestimmt eine wesentlich bessere Wertung.
ChecklisteVersion 1Version 2
Einfach✔️
Unerwartet✔️
Konkret✔️
Glaubwürdig✔️
Emotional✔️✔️
Einladend
Beispiel-Scorecard frei übersetzt nach „Made to Stick“ von Chip Heath und Dan Heath.

Kurze Erläuterung zu den Kriterien:

  • Einfach: die Idee dahinter sollte einfach sein (z. B. Supermarkt, der die Wahrheit sagt)
  • Unerwartet: die Geschichte macht neugierig und bringt etwas Neues in den Kontext des:der Empfänger:in
  • Konkret: der Kontext der Geschichte ist begrenzt (z. B. betrifft sie deinen letzten Einkauf oder was du in den nächsten 30 Minuten vorhast)
  • Glaubwürdig: du lieferst eigene Erfahrung oder Fakten, die deine Aussagen belegen
  • Emotional: du erzeugst bei dem:der Empfänger:in Gefühle durch deine Geschichte, die sie:ihn bewegt
  • Einladend: du erzählst deine Geschichte persönlich und lädst dazu ein, Teil deiner Idee zu werden
Eine Story beschwingt und regt zum Handeln an.
Photo by Maksim Goncharenok from Pexels

Cover photo by Mumtahina Tanni from Pexels